Omar & The Howlers

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Essential Collection - 2 CD set

Artikel-Nr.: RUF 1174

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Omar & The Howlers

 

Austin ist nicht nur Hauptstadt von Texas, sondern auch Heimat vieler der besten Rootsmusiker in den Vereinigten Staaten. Seit den 1970ern vermischen sich in der pulsierenden Clubszene der Stadt die Stile von draufgängerischen Bluesmusikern, rebellischen Country-Fingerpickern und mit Reibeisenstimmen ausgestatteten Rockern. Kent „Omar“ Dykes nennt Austin sein Zuhause.

Dykes kommt ursprünglich aus McComb, Mississippi, einer Kleinstadt, die sich auf eine kuriose Weise ausgezeichnet hat – aus McComb stammen nämlich sowohl Bo Diddley als auch Britney Spears. Die Geschichte seiner Jugend ist mittlerweile allseits bekannt: Mit sieben fing er an, Gitarre zu spielen, mit 12 hing er schon in den Juke Joints am Stadtrand herum, mit 13 kam er zu seiner ersten Band. Das nächstälteste Bandmitglied war übrigens schon 50. Gab es während einer ihrer Auftritte eine Schießerei, war das kein Problem – in dieser Musikszene wurden Schüsse lediglich als ein weiteres Perkussioninstrument betrachtet.

Mit 20 spielte Kent Dykes bei einer übergeschnappten Partyband – den Howlers. Ihre Spezialität war es, auf sogenannten „Frat Parties“ (Parties in den Häusern der Studentenverbindungen) zu spielen. Dykes erinnert sich: „Wir hatten einen Bariton- und einen Tenorsaxophonisten. Alle beide trugen Henry Kissinger-Masken und nannten sich deshalb die Kissinger Brothers. Nicht bei jedem Stück, verstehen Sie. Manchmal traten sie als Dolly Parton und Cher auf. Sketches mit Pappfiguren aus dem Plattenladen gehörten ebenfalls zu unserem Repertoire.“ Auf der Bühne machten sie Pseudo-Werbung für Produkte wie Sunshine Collard Greens und Howlers’ Brathähnchen – „für den altmodischen Genuß, der nach Grandma schmeckt.“

Es war eine verrückte Zeit, die eine Menge Spaß gemacht hat. Die raubeinigen Howlers spielten R&B, Rock’n’Roll und gelegentlich sogar Polka und Western Swing. Zehn Jahre davor und 250 Meilen nördlich von McComb hatten Steve Cropper und Duck Dunn als Mitglieder der Mar-Keys, einer Party Band aus Memphis, in genau dieser Weise erste musikalische Erfahrungen gesammelt.

Aber eigentlich wollte Kent Dykes den Blues spielen. Inzwischen nannten ihn seine Howlers-Kollegen „Omar Overtone“ weil er oft mit Feedback experimentierte und zwar nachdem er sich spontan auf den Rücken fallen ließ und sich in einer Art „Breakdance-Performance aus dem Übergrößenladen“ in einem Kreis drehte. Zu solch akrobatischen Einlagen wurde er manchmal von Alkoholkonsum getrieben, gibt er augenzwinkernd zu.

1976 entschieden sich die Howlers einen großen Schritt zu wagen und sind nach Austin umgesiedelt. Die Stadt hatte sich mit Clubs wie Soap Creek Saloon, Broken Spoke, Armadillo World Headquarters und Antone’s zu einer Hochburg der Indie-Szene entwickelt. „In Austin blieben wir noch ungefähr ein Jahr zusammen“,  erzählt Omar. „Die anderen waren aber letztendlich nicht bereit, für den Rest ihres Lebens Berufsmusiker zu sein. Sie kehrten nach Mississippi und Arkansas zurück. Ich durfte den Namen behalten. Keiner hatte irgendwas dagegen.“ Dykes meint, der Name Omar & the Howlers klingt deutlich besser als Kent & the Howlers. Eine solche Entscheidung kann den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern bedeuten.

Mit einem neuen Line-up staltete Dykes die Howlers um. Sie sollten sich sich nun rauhem und dreckigem Blues a la Howlin’ Wolf und Hound Dog Taylor verschreiben –  die Art Blues, die Don Van Vliet inspirierte, Captain Beefheart zu werden.

Inzwischen hatten sich in Austin auch die Fabulous Thunderbirds zusammen gefunden. Stevie Ray Vaughan, kleiner Bruder des T-Bird Gitarristen Jimmie Vaughan, hatte zusammen mit Lou Ann Barton, dem zukünftigen Double Trouble-Schlagzeuger Chris Layton und Jackie Newhouse (LeRoi Brothers) Triple Threat gegründet. Die T-Birds gingen 1979 als Erste der Szene ins Studio; Omars Debüt Big Leg Beat (1980) ließ aber nicht lang auf sich warten. Mit ihrem zweiten Album I Told You So (1984) festigten die Howlers ihren Ruf als die Lokalhelden schlechthin – vor allem entlang der berühmten Vergnügungsmeile der Sixth Street. 1985 und 1986 wurden sie in Austin zur Band des Jahres gekürt.

Ein Jahr später bekam Omar bei Columbia Records einen Plattenvertrag. Das erfolgreiche Album Hard Times in the Land of Plenty (1987), das mehr als 500,000 Mal über den Ladentisch ging, und Wall of Pride (1988) folgten. Seitdem hat Omar weitere zwölf Alben veröffentlicht. Bei jedem stehen seine markante Gitarre und unverkennbare Bariton-Stimme im Vordergrund – manche Kritiker hören in Dykes’ Gesang eine Kreuzung aus klassischem Howlin’ Wolf und dem warnenden Knurren eines großen Menschenaffen. Mit seinen überdimensionalen Talenten hat Omar eine internationale Fangemeinde aufgebaut und mehrere wichtige Awards sowie einen Platz in der Texas Musicians’ Hall of Fame gewonnen.